Zum ersten Mal bei Schlaraffia – was dich erwartet

Der erste Besuch bei Schlaraffia ist für viele vor allem eines: ungewohnt. Und das ist völlig normal. Man betritt keinen gewöhnlichen Vereinsabend, keinen Stammtisch im üblichen Sinn und auch kein offenes Networking-Treffen. Schlaraffia hat ihre eigene Form, ihre eigene Sprache, ihre eigene Mischung aus Humor, Ritual, Kultur und Gemeinschaft. Genau deshalb fragen sich viele vor dem ersten Besuch: Was passiert da eigentlich konkret – und wie fremd werde ich mich fühlen?

Die ehrliche Antwort lautet: Wahrscheinlich wirst du am Anfang nicht alles sofort einordnen können. Aber das ist weder peinlich noch problematisch. Ein erster Besuch ist nicht dafür da, dass du sofort alles verstehst. Er ist dafür da, dass du dir in Ruhe einen Eindruck verschaffst.

Ein erster Besuch ist kein Test

Das ist der wichtigste Punkt gleich zu Beginn. Wenn du zum ersten Mal zu Schlaraffia kommst, geht es nicht darum, ob du dich „bewährst“, alles richtig machst oder schon perfekt ins Bild passt. Der erste Besuch ist vor allem ein Kennenlernen. Du schaust dir an, wie der Abend wirkt, welche Menschen dort sind, wie die Atmosphäre ist und ob dich das Ganze überhaupt anspricht.

Auch der Schlaraffenverein selbst wird bei einem ersten Besuch nicht so tun, als müsse jetzt sofort eine Entscheidung fallen. Gerade weil Schlaraffia eine Gemeinschaft mit eigener Form ist, ist ein vorsichtiges Kennenlernen der normale Weg.

Du musst nicht alles verstehen

Viele schreckt vorab die Sorge ab, dass sie bei ihrem ersten Besuch nur Bahnhof verstehen könnten. Diese Sorge ist nicht völlig unbegründet – aber sie ist auch kein Problem. Ja, Schlaraffia hat eigene Begriffe, Rituale und eine Sprachebene, die für Außenstehende zunächst ungewohnt wirken kann. Aber niemand erwartet ernsthaft, dass du beim ersten Besuch bereits alles entschlüsselst.

Wichtig ist etwas anderes: die Grundstimmung wahrzunehmen. Wie gehen die Menschen miteinander um? Ist Humor spürbar? Fühlst du dich willkommen? Macht die Form neugierig oder stößt sie dich eher ab? Solche Eindrücke sind beim ersten Besuch wichtiger als jedes Detailverständnis.

Was du beim ersten Besuch im Kern tust

Eigentlich ist deine Aufgabe erstaunlich schlicht:

  • ankommen
  • beobachten
  • zuhören
  • Eindrücke sammeln
  • Fragen mitnehmen
  • und am Ende überlegen, ob du dir ein Wiedersehen vorstellen kannst

Du musst also nicht glänzen. Du musst nicht spontan eine Rede halten. Du musst nicht sofort wissen, wer welche Rolle hat und warum etwas auf eine bestimmte Weise abläuft. Ein erster Besuch darf genau das sein, was er ist: ein erstes Herantasten.

Wie du innerlich an den Abend herangehen kannst

Am entspanntesten wird der erste Besuch meist dann, wenn du ihn nicht als Prüfung, sondern als Einladung zum Beobachten begreifst. Geh nicht mit dem Anspruch hinein, sofort „dazuzugehören“. Geh eher mit der Haltung hinein: Ich schaue mir an, ob mich diese Gemeinschaft, diese Form und diese Menschen ansprechen.

Das nimmt Druck heraus – und macht den Blick freier.

Kleidung, Auftreten, Verhalten: kein Theater nötig

Viele fragen sich, ob sie für einen ersten Besuch besonders auftreten müssen. Die entlastende Antwort: nein. Es braucht kein Theater und keine Verkleidung – ein offenes, freundliches Auftreten genügt. Welche Kleidung am jeweiligen Standort üblich ist und was praktisch hilft, steht auf der Vorbereitungsseite „Zum ersten Mal zu Besuch – was muss ich wissen?“.

Wichtiger als die perfekte Hülle ist ein offenes, freundliches und aufmerksames Auftreten.

Du darfst Fragen haben – aber du musst nicht alles sofort klären

Nach einem ersten Besuch bleiben oft Fragen offen. Das ist normal. Vielleicht willst du verstehen, warum bestimmte Begriffe verwendet werden. Vielleicht fragst du dich, was es mit einzelnen Rollen oder Abläufen auf sich hat. Vielleicht möchtest du einfach wissen, ob und wie ein zweiter Besuch möglich wäre.

All das ist legitim. Gleichzeitig musst du nicht den ganzen Abend in ein Verhör verwandeln. Oft ist es klüger, erst einmal wahrzunehmen und die wichtigsten Fragen anschließend oder bei einem weiteren Kontakt zu klären.

Nicht jeder erste Eindruck muss sofort eindeutig sein

Auch das ist wichtig. Manche Menschen merken schon nach dem ersten Abend: Das interessiert mich sehr. Andere brauchen zwei oder drei Besuche, um überhaupt ein Gefühl dafür zu bekommen, ob sie mit Form, Humor und Gemeinschaft etwas anfangen können. Beides ist völlig in Ordnung.

Schlaraffia ist keine App, die sich in drei Minuten vollständig erschließt. Gerade deshalb sollte man sich selbst die Freiheit lassen, nicht sofort ein endgültiges Urteil fällen zu müssen.

Die ehrliche Kurzfassung

Beim ersten Besuch bei Schlaraffia musst du nicht alles verstehen und auch nichts beweisen. Du kommst, um einen Eindruck zu gewinnen: von den Menschen, der Atmosphäre, dem Humor, der Form und der Frage, ob dich das Ganze neugierig macht.

Der beste erste Besuch ist oft der, bei dem man nicht versucht, sofort alles zu kontrollieren, sondern sich erlaubt, einfach aufmerksam da zu sein.

Nächster Schritt

Häufige Fragen

Wie läuft ein Besuch ab?
Man kommt als Gast, hört zu und schaut. Der Abend – die Sippung – hat einen festen, humorvollen Rahmen mit künstlerischen Beiträgen. Ein eigener Auftritt wird nicht erwartet.
Muss man etwas vortragen?
Nein. Beiträge sind willkommen, aber freiwillig. Als Gast darf man einfach zuhören.
Ist Schlaraffia ein Verein, ein Geheimbund oder etwas anderes?
Schlaraffia ist ein eingetragener Freundschaftsbund – kein Geheimbund. Die örtlichen Gemeinschaften sind Vereine, das gemeinsame Spiel gibt ihnen den besonderen Rahmen.
Warum ist die Sprache teilweise ungewöhnlich?
Die eigene Begriffswelt gehört zum spielerischen Charakter. Wichtige Wörter erklären wir im Glossar – man muss sie nicht vorher kennen.
Was ist ein Reych, eine Sippung, ein Einritt?
Ein Reych ist eine örtliche Schlaraffia-Gemeinschaft, eine Sippung ihr Vereinsabend, ein Einritt die Aufnahme eines neuen Mitglieds. Mehr im Glossar.
Können Frauen mitmachen?
Schlaraffia ist ein Männerbund. Was das bedeutet, erklären wir offen auf der Seite „Schlaraffia und Frauen“.
Spielen Politik, Religion oder berufliche Interessen bei Schlaraffia eine Rolle?
Nein – jedenfalls nicht als Zweck oder prägendes Thema des gemeinsamen Abends. Schlaraffia versteht sich bewusst nicht als politischer, religiöser oder geschäftlicher Zusammenschluss. Parteipolitische Debatten, religiös-weltanschauliche Auseinandersetzungen und berufliche Eigeninteressen sollen dort nicht den Ton angeben. Im Mittelpunkt stehen Freundschaft, Humor, Kunst, Wortwitz und Gemeinschaft.
Wie schreibe ich einem Schlaraffenverein, wenn ich einfach nur neugierig bin?
Du musst keine perfekte Nachricht formulieren. Eine kurze, freundliche und ehrliche Anfrage reicht völlig aus. Schreib einfach, dass du auf den Verein aufmerksam geworden bist, Schlaraffia gern einmal kennenlernen würdest und dich über eine Rückmeldung zu einem möglichen Besuch freuen würdest. Mehr muss eine erste Nachricht nicht leisten.
Muss ich mich für einen ersten Besuch schon festlegen?
Nein. Ein erster Besuch dient gerade dazu, Schlaraffia überhaupt erst kennenzulernen. Du musst dich dabei weder zu einer Mitgliedschaft noch zu weiteren Schritten verpflichten. Erst wenn du nach mehreren Eindrücken merkst, dass dich die Gemeinschaft wirklich interessiert, stellt sich die Frage nach dem weiteren Weg.
Was passiert, wenn ich nach dem ersten Besuch merke, dass es doch nichts für mich ist?
Dann ist das völlig in Ordnung. Genau dafür gibt es die unverbindliche Kennenlernphase. Schlaraffia ist keine Pflichtveranstaltung, sondern ein Angebot zur Begegnung. Wenn du nach einem oder mehreren Besuchen merkst, dass Form, Menschen oder Atmosphäre nicht zu dir passen, musst du dich nicht rechtfertigen.
Wie lange dauert die Pilger- oder Kennenlernphase normalerweise?
Die Kennenlernphase folgt grundsätzlich einem festen Ablauf. In der Regel besucht ein Interessent Schlaraffia zunächst dreimal als Pilger. Wenn danach auf beiden Seiten grundsätzliches Interesse besteht, folgen weitere sechs Besuche als Prüfling. Erst danach steht die Frage einer Aufnahme im Raum. Insgesamt geht es also typischerweise um neun Besuche vor einer möglichen Aufnahme. Wichtig ist dabei: Diese Zeit ist keine Formsache, sondern eine echte gegenseitige Kennenlernphase. Der Interessent prüft, ob Schlaraffia, die Menschen und der jeweilige Verein wirklich zu ihm passen – und der Verein prüft umgekehrt, ob die Gemeinschaft menschlich und kulturell stimmig wirkt.