
Für den ersten Besuch wichtig
Schlaraffia
Schlaraffia ist eine weltweite, deutschsprachige Gemeinschaft von Männern, die Freundschaft, Humor, Kunst und geistigen Austausch pflegt. Das geschieht in einer bewusst spielerischen Form: mit Sprache, Ritualen, Rollen und einer liebevollen Persiflage auf mittelalterlich-höfisches Zeremoniell. Wer Schlaraffia zum ersten Mal erlebt, trifft also nicht auf einen gewöhnlichen Verein, sondern auf eine Gemeinschaft mit eigener Form, eigener Sprache und einem sehr eigenen Ton.
Schlaraffe
Ein Schlaraffe ist ein Mitglied der Schlaraffia. Gemeint ist damit aber nicht bloß ein Vereinsmitglied auf dem Papier, sondern jemand, der am schlaraffischen Spiel, an den Abenden und an der Gemeinschaft teilnimmt. Der Begriff beschreibt also immer auch Zugehörigkeit zu dieser besonderen Kultur.
Burg
Als Burg wird in der Schlaraffia der Ort bezeichnet, an dem sich ein Reych zu seinen Abenden trifft. Das muss keine echte Ritterburg sein – gemeint ist der Sippungsraum oder Veranstaltungsort des jeweiligen Reyches. Wer also zu einem Besuch eingeladen wird, fährt nicht zwingend zu Zugbrücke und Fallgatter, sondern zum Ort des schlaraffischen Geschehens.
Reych
Ein Reych ist die örtliche Schlaraffia-Gemeinschaft – also das, was man im Alltag vielleicht Ortsvereinigung, Runde oder Kapitel nennen würde. Jedes Reych hat seinen eigenen Namen, seine eigene Geschichte und oft auch eigene kleine Eigenheiten. Gleichzeitig gehört jedes Reych zur weltweiten Schlaraffia.
Sippung
So heißt ein schlaraffischer Abend. Eine Sippung ist kein bloßes Treffen und keine gewöhnliche Vereinssitzung, sondern ein Abend mit eigener Form: Begrüßung, Spiel, Wortbeiträge, Musik, Humor, manchmal kleinen Ritualen – und viel Gemeinschaft. Wer Schlaraffia besucht, wird diesen Begriff sehr schnell hören, denn er bezeichnet den eigentlichen Kern des gemeinsamen Abends.
Uhu
Der Uhu ist das zentrale Symboltier der Schlaraffia. Er steht sinnbildlich für Weisheit, Überblick, Humor und die gemeinsame schlaraffische Welt. In der Burg begegnet man ihm häufig auf Wappen, Bannern oder in Ansprachen – nicht als religiöse Figur, sondern als prägendes Zeichen der Schlaraffia.
Profanei
Die Profanei ist in der Schlaraffia alles außerhalb des schlaraffischen Spiels – also der normale Alltag, das Berufsleben und die Welt „draußen“. Wenn Schlaraffen von der Profanei sprechen, ist das meist augenzwinkernd gemeint: Hier die Welt der Termine, Pflichten und Mails – dort für ein paar Stunden die eigene Spiel- und Gemeinschaftswelt.
Pilger
Ein Pilger ist ein Interessent, der Schlaraffia kennenlernen möchte. Wer als Pilger kommt, besucht zunächst Abende unverbindlich, schaut sich alles in Ruhe an und entscheidet ohne Druck, ob diese Form von Gemeinschaft zu ihm passt. Der Begriff markiert also den Einstieg eines Besuchers in die Schlaraffia – freundlich, offen und ohne sofortige Verpflichtung.
Burgfrau
Als Burgfrau wird im schlaraffischen Sprachgebrauch die Ehefrau oder Partnerin eines Schlaraffen bezeichnet. Sie gehört nicht zum inneren Männerbund des Spiels, kann aber für das Leben eines Reyches dennoch eine wichtige Rolle spielen. Viele Reyche pflegen Veranstaltungen, bei denen Burgfrauen ausdrücklich dabei sind – etwa Burgfrauenabende oder andere gesellige und kulturelle Anlässe.
Tross
Der Tross bezeichnet die Angehörigen eines Schlaraffen, also vereinfacht Familie und nahes Umfeld. Der Begriff gehört zur schlaraffischen Sprachwelt und macht sichtbar, dass das Leben eines Schlaraffen nicht völlig von seinem übrigen Leben getrennt ist. Auch wenn das eigentliche Spiel ein Männerbund bleibt, sind Familie und Umfeld keineswegs bedeutungslos.
Der Weg vom Besucher zum Schlaraffen
Pate
Ein Pate begleitet einen Interessenten oder neuen Schlaraffen auf seinem Weg. Er erklärt Abläufe, beantwortet Fragen, stellt Kontakte her und hilft dabei, sich in der für Außenstehende zunächst ungewohnten Welt zurechtzufinden. Für einen ersten Besucher ist der Pate oft die wichtigste Bezugsperson.
Pilger
Der erste Schritt ist meist der Pilgerstatus: Man schaut sich mehrere Abende an, lernt Menschen, Ton und Spiel kennen und entscheidet dann, ob man weitergehen möchte. Es gibt dabei keinen Zwang und keinen Automatismus. Gerade für Außenstehende ist das wichtig: Man darf erst einmal nur kennenlernen.
Prüfling
Wer nach mehreren Besuchen ernsthaft Interesse hat, kann um Aufnahme bitten und wird dann – wenn das Reych zustimmt – zum Prüfling. Der Begriff markiert den Übergang vom unverbindlichen Kennenlernen zu einem bewussten nächsten Schritt. Damit beginnt ein stärkeres Hineinwachsen in die Schlaraffia, aber immer noch eingebettet in Spiel, Begleitung und Gemeinschaft.
Knappe
Nach der Aufnahme beginnt der Weg innerhalb der Schlaraffia mit dem Rang des Knappen. Man ist dann Teil der Gemeinschaft und wächst Schritt für Schritt in Sprache, Formen und Gepflogenheiten hinein. Der Knappe ist also kein fertiger „Ritter“, sondern jemand, der sichtbar auf dem Weg ist.
Junker
Der Junker ist die nächste Stufe auf dem schlaraffischen Weg. Wer als Knappe Erfahrungen gesammelt hat und weitergeht, wird Junker. Auch das ist Teil des bewusst spielerischen Aufbaus der Schlaraffia: Man wächst nicht auf einen Schlag hinein, sondern in Stufen.
Ritter
Der Ritter ist der volle schlaraffische Stand. Mit dem Ritterschlag erhält der Schlaraffe auch seinen schlaraffischen Ritternamen, unter dem er im Reych angesprochen wird. Der Ritterstand gehört zur symbolischen und spielerischen Welt der Schlaraffia – nicht als Karnevalskostüm, sondern als bewusst gepflegte Form und Tradition.
Kugelung
Die Kugelung ist eine Form der Wahl oder Abstimmung, die im Zusammenhang mit dem Aufnahmeweg vorkommen kann. Der Begriff klingt für Außenstehende erst einmal fremd, gehört aber zur gewachsenen Tradition der Schlaraffia. Gemeint ist kein willkürliches Schauspiel, sondern ein formaler Teil des schlaraffischen Weges.
Prüfung
Auch Prüfung ist in der Schlaraffia nicht im Sinn einer trockenen schulischen Leistungsabfrage zu verstehen. Gemeint ist eher eine traditionsreiche, nicht ganz ernste Form des nächsten Schritts – eingebettet in das Spiel, in die Gemeinschaft und in den Weg durch die verschiedenen Stufen.

Rollen, Ämter und Personen
Sasse
Sasse ist die schlaraffische Bezeichnung für ein Mitglied der Schlaraffia. Der Begriff taucht in vielen Zusammenhängen auf und meint im Grunde den Schlaraffen selbst. Wer also von „den Sassen“ hört, hört meist einfach die schlaraffische Bezeichnung für die anwesenden Mitglieder.
Oberschlaraffe
Die Oberschlaraffen leiten ein Reych bzw. eine Sippung. Sie sitzen „am Thron“ und führen durch den Abend. Das bedeutet nicht Machtgehabe, sondern vor allem Verantwortung für Form, Ablauf und Ton des Spiels.
Fungierender
Der Fungierende ist der jeweils amtierende Leiter einer Sippung. Ihm kommt während des Abends eine besondere Rolle zu: Er führt durch den Ablauf, eröffnet und schließt bestimmte Teile und hält die Form des Spiels zusammen. Wer zum ersten Mal da ist, wird ihn meist schnell erkennen, weil er den Abend sichtbar prägt.
Kantzler
Der Kantzler ist ein zentrales Amt im Reych und kümmert sich typischerweise um organisatorische, schriftliche und administrative Angelegenheiten. Wenn ein Interessent Kontakt zu einem Reych aufnimmt, landet er nicht selten zuerst beim Kantzler.
Junkermeister
Der Junkermeister begleitet insbesondere die jüngeren oder neueren Stufen des schlaraffischen Weges. Er hilft Knappen und Junkern beim Hineinwachsen in Sprache, Formen und Gepflogenheiten. Für neue Schlaraffen ist er deshalb eine wichtige Figur.
Ceremonienmeister
Der Ceremonienmeister achtet auf den Ablauf und die Form einer Sippung. Seine Aufgabe ist nicht, steife Förmlichkeit zu produzieren, sondern die Spielregeln des Abends zusammenzuhalten. Gerade weil Schlaraffia mit Form und Ritual spielt, braucht es jemanden, der diese Form mitträgt.
Schulrat
Der Schulrat ist ein schlaraffisches Amt, das sich traditionell um Fragen des Weges, der Ausbildung oder bestimmter Prüfungs- und Entwicklungsstufen kümmern kann. Für Außenstehende ist wichtig: Hinter dem Begriff steckt kein Schulamt, sondern eine Rolle innerhalb der gewachsenen schlaraffischen Ordnung.
Burgfrau und Tross
Auch wenn Frauen nicht Teil des eigentlichen Männerbundes im Spiel sind, sind Burgfrauen und Angehörige keineswegs „wegdefiniert“. Vielmehr bilden sie in vielen Reychen einen wichtigen Teil des erweiterten kulturellen und geselligen Lebens. Wer Schlaraffia verstehen will, sollte deshalb zwischen innerem Spiel und dem übrigen Vereins- und Gemeinschaftsleben unterscheiden.
Sprache, Rituale und Eigenheiten
Ceremoniale
Das Ceremoniale umfasst die Regeln und Formen, nach denen eine Sippung abläuft. Es ist gewissermaßen das Spielbuch für die äußere Form – nicht Selbstzweck, sondern Rahmen für Humor, Kunst, Rede und Gemeinschaft. Wer eine Sippung erlebt, merkt schnell: Hinter der Lockerheit steckt eine Form, und genau dafür steht das Ceremoniale.
Spiegel
Der Spiegel ist das grundlegende Regel- und Selbstverständniswerk der Schlaraffia. Er beschreibt nicht jeden Einzelfall des Lebens, aber die tragenden Grundsätze und Leitlinien des schlaraffischen Spiels. Für Außenstehende genügt zu wissen: Der Spiegel ist so etwas wie das Fundament der schlaraffischen Ordnung.
Fechsung
Eine Fechsung ist ein schlaraffischer Beitrag – meist ein selbst verfasster oder gestalteter Vortrag, Text, eine Geschichte, ein Gedicht oder Musik. Wer eine Fechsung bringt, steuert also aktiv etwas zum Abend bei. Fechsungen gehören zum Herzstück der Sippung, weil hier Humor, Sprache, Kunst und Persönlichkeit sichtbar werden.
Lulu!
Lulu! ist ein Ausdruck der Freude, Zustimmung oder Begeisterung. Er gehört zu den bekanntesten Lauten der schlaraffischen Welt und ist so etwas wie ein schlaraffischer Jubelruf. Wer eine gelungene Fechsung oder einen schönen Moment erlebt, wird dieses Wort schnell hören.
Ulul
Ulul ist gewissermaßen das Gegenstück zu Lulu – eine Missfallenskundgebung, natürlich ebenfalls im schlaraffischen Tonfall und nicht als ernsthafte Kränkung gedacht. Wie vieles in der Schlaraffia lebt auch das von Spiel, Überzeichnung und gemeinsamer Form.
Pön
Pön ist eine augenzwinkernde Strafe oder Geldbuße im schlaraffischen Rahmen. Sie dient nicht dazu, jemanden kleinzumachen, sondern ist Teil des humorvollen Spiels. Wer Schlaraffia besucht, sollte das nicht mit harter Vereinsdisziplin verwechseln – es gehört zur Ritualsprache und zum augenzwinkernden Regelspiel.
Bangk
Ein Bangk ist eine besondere Form des Beifalls. Auch hier zeigt sich, dass Schlaraffia ihre eigene Sprache und ihre eigenen Gesten kultiviert. Statt bloß „Applaus“ zu sagen, wird daraus eine eigene Ausdrucksform.
Atzung
Atzung ist das schlaraffische Wort für Essen oder Speisen. Wenn bei einer Veranstaltung von Atzung die Rede ist, geht es also nicht um etwas Geheimnisvolles, sondern schlicht um Essen. Solche Begriffe machen einen Teil des besonderen Tons der Schlaraffia aus.
Quell
Quell bedeutet Bier. Auch das ist ein Beispiel dafür, wie die Schlaraffia alltägliche Dinge sprachlich in ihre eigene Welt übersetzt. Für Außenstehende gilt: Vieles klingt zunächst fremd, ist aber oft einfacher, als es wirkt.
Lethe
Lethe ist das schlaraffische Wort für Wein. Zusammen mit Begriffen wie Quell oder Atzung zeigt sich daran die spielerische Alltagssprache, die sich Schlaraffia über viele Jahrzehnte geschaffen hat.
Schlaraffen hört!
Mit diesem Ruf wird die Aufmerksamkeit der Anwesenden gebündelt – etwa zu Beginn einer Ansprache oder eines Beitrags. Für einen Gast ist das einer der Begriffe, an denen man sofort merkt: Hier läuft der Abend in einer eigenen Form und Sprache ab.
R.G.u.H.z.
Diese Abkürzung steht für eine schlaraffische Grußformel im ritterlichen Ton. Für Außenstehende muss man sie nicht im Detail beherrschen – aber man begegnet ihr gelegentlich, deshalb gehört sie ins Glossar. Wichtig ist vor allem: Sie ist Ausdruck der gewachsenen Sprach- und Ritualwelt der Schlaraffia.

Zeit, Welt und Rahmen
a. U. / Anno Uhui
Die Schlaraffia verwendet eine eigene Zeitrechnung. a. U. bedeutet Anno Uhui. Sie beginnt mit dem Gründungsjahr 1859 und gehört zur spielerischen Welt der Schlaraffia, in der auch Zeit, Monate und Bezeichnungen in eine eigene Form gebracht werden.
Zeytrechnung
So nennt Schlaraffia ihre eigene Jahreszählung. Sie ist ein gutes Beispiel dafür, wie die Gemeinschaft ihre Spielwelt nicht nur in Sprache und Rollen, sondern sogar in der Zeitrechnung sichtbar macht. Für Außenstehende muss man das nicht sofort beherrschen – aber man sollte wissen, warum auf Einladungen oder Dokumenten manchmal ungewöhnliche Jahreszahlen auftauchen.
Winterung
Die Winterung ist die eigentliche Sippungszeit – traditionell die Zeit, in der die regelmäßigen Abende stattfinden. In vielen Reychen reicht sie ungefähr von Oktober bis April. Wer sich für Besuche interessiert, sollte deshalb gerade in dieser Zeit auf Termine achten.
Sommerung
Die Sommerung bezeichnet die sippungsfreie oder sippungsärmere Zeit außerhalb der eigentlichen Winterung. Das heißt nicht, dass gar nichts geschieht – aber der klassische Abendbetrieb ruht vielerorts oder wird lockerer gestaltet.
Profanei
Die Profanei ist, vereinfacht gesagt, die Welt außerhalb der Schlaraffia. Der Begriff hilft zu verstehen, dass Schlaraffia nicht behauptet, die „wirkliche“ Welt zu ersetzen, sondern im Gegenteil einen bewusst abgegrenzten Spiel- und Freiraum innerhalb des Alltags schafft. Genau in dieser Gegenüberstellung liegt ein Teil ihres Reizes.