Vom Gast zum Pilger – wie die Kennenlernphase wirklich läuft

Schlaraffia ist keine Gemeinschaft, in die man am ersten Abend spontan hineinrutscht und am zweiten schon Mitglied wird. Das ist Absicht. Der Weg in die Schlaraffia ist bewusst als gegenseitige Kennenlernphase angelegt – nicht, um Menschen künstlich hinzuhalten, sondern damit beide Seiten in Ruhe herausfinden können, ob es wirklich passt.

Genau deshalb ist es hilfreich, den Weg nicht nur in Schlagworten zu kennen, sondern in seiner eigentlichen Logik zu verstehen: erst Gast, dann – bei weiterem Interesse – Pilger, dann eine langsamere gegenseitige Annäherung.

Warum Schlaraffia keine Sofortmitgliedschaft will

Von außen könnte man sich fragen, warum man nicht einfach sofort beitreten kann, wenn man Interesse hat. Die Antwort ist ziemlich schlicht: Schlaraffia versteht sich nicht als reines Freizeitabo, das man kurz ausprobiert und bei Gefallen sofort bucht. Es geht um eine gewachsene Gemeinschaft mit eigener Kultur, eigener Sprache, eigener Form und einem Miteinander, das auf Dauer tragen soll.

Deshalb ist es vernünftig, dass beide Seiten einander zunächst erleben. Der Interessent soll prüfen können, ob ihm der Verein, die Menschen und die Form überhaupt zusagen. Und der Schlaraffenverein soll ebenso prüfen dürfen, ob der Interessent menschlich und kulturell in die Gemeinschaft passt.

Schritt 1: der erste Besuch als Gast

Am Anfang steht in der Regel ein unverbindlicher Besuch als Gast. Dieser erste Abend ist vor allem ein Kennenlernen. Du verschaffst dir einen Eindruck, beobachtest, hörst zu, lernst erste Menschen kennen und prüfst für dich, ob dich Schlaraffia überhaupt weiter interessiert.

Ein erster Besuch bedeutet noch gar nichts Endgültiges. Er ist keine stillschweigende Bewerbung und auch kein Versprechen, dass du weitermachen musst.

Schritt 2: weiteres Interesse offen aussprechen

Wenn du nach dem ersten oder nach einigen ersten Besuchen merkst, dass du Schlaraffia gern näher kennenlernen möchtest, kommt der Punkt, an dem man das offen sagt. Mehr braucht es an dieser Stelle noch nicht: kein feierliches Bekenntnis, sondern schlicht die ehrliche Mitteilung, dass man sich weitere Besuche vorstellen kann und tiefer verstehen möchte, wie diese Gemeinschaft funktioniert.

Schritt 3: die Pilgerphase

Wenn ein Verein und ein Interessent den Eindruck haben, dass sich ein weiteres Kennenlernen lohnt, folgt typischerweise eine Phase weiterer Besuche als Pilger. Genau diese Zeit ist der eigentliche Kern des gegenseitigen Prüfens.

In dieser Phase passiert etwas sehr Sinnvolles:

  • Der Interessent erlebt Schlaraffia nicht nur als einmaligen Abend, sondern über einen längeren Zeitraum.
  • Er lernt Menschen, Tonfall, Humor, Rituale und Dynamik besser kennen.
  • Der Verein erlebt umgekehrt, wie der Interessent mit der Gemeinschaft umgeht, ob echtes Interesse da ist und ob sich menschlich ein stimmiges Bild ergibt.

Warum diese Langsamkeit sinnvoll ist

Die Pilgerphase ist kein Machtspiel und keine künstliche Hürde. Sie schützt beide Seiten vor vorschnellen Entscheidungen. Ein einmaliger guter Abend sagt noch nicht viel darüber aus, ob eine Gemeinschaft langfristig passt. Umgekehrt wäre es für den Interessenten genauso unklug, sich nach einem kurzen ersten Eindruck sofort fest zu binden.

Schlaraffia ist dann am stärksten, wenn sie nicht aus Schnellschüssen lebt, sondern aus gewachsenen Beziehungen. Genau deshalb ist es klug, dass die Dinge nicht überhastet werden.

Grafische Darstellung des Wegs vom Gast über Pilger und Prüfling bis zur möglichen Aufnahme in die Schlaraffia

Die Kennenlernphase folgt einem klaren Ablauf

Auch wenn einzelne Details eines Besuchs von Ort zu Ort etwas anders wirken können, ist der grundsätzliche Weg klar angelegt. Wer Schlaraffia ernsthaft kennenlernen möchte, besucht die Gemeinschaft zunächst dreimal als Pilger. Wenn danach auf beiden Seiten grundsätzliches Interesse besteht, folgen sechs weitere Besuche als Prüfling. Erst danach stellt sich die Frage, ob aus dem gegenseitigen Kennenlernen tatsächlich eine Aufnahme werden soll.

  • 3 Besuche als Pilger
  • 6 weitere Besuche als Prüfling
  • insgesamt 9 Besuche vor einer möglichen Aufnahme

Damit geht es nicht um einen einzigen netten Abend und auch nicht um eine spontane Entscheidung, sondern um insgesamt neun Besuche vor einer möglichen Aufnahme. Genau diese Zeit soll beiden Seiten helfen, in Ruhe herauszufinden, ob die Gemeinschaft wirklich passt.

In der Regel sind die ersten Besuche kostenlos und unverbindlich. Man muss also nicht sofort Mitgliedsbeiträge zahlen, nur weil man die Gemeinschaft erst einmal kennenlernt.

Du prüfst genauso wie der Verein

Das wird manchmal vergessen. Die Kennenlernphase ist keine Einbahnstraße, bei der nur der Verein dich bewertet. Du selbst sollst und darfst in dieser Zeit genauso genau hinschauen:

  • Fühle ich mich mit den Menschen wohl?
  • Kann ich mit der Form und dem Humor etwas anfangen?
  • Reizt mich die Kultur der Schlaraffia wirklich – oder finde ich sie nur interessant von außen?
  • Kann ich mir vorstellen, an diesem Ort regelmäßig wiederzukommen?

Diese Fragen sind kein Zeichen von Distanz, sondern Teil eines gesunden Kennenlernens.

Und wenn es nicht passt?

Dann ist das kein Scheitern. Genau dafür gibt es die langsame Annäherung. Es kann sein, dass du nach einigen Besuchen merkst: spannend, aber nicht mein Ort. Es kann auch sein, dass der Verein den Eindruck hat, dass es menschlich oder kulturell nicht wirklich trägt. Beides ist möglich – und genau deshalb ist es sinnvoll, nicht sofort eine endgültige Bindung zu erzeugen.

Die ehrliche Kurzfassung

Der Weg in die Schlaraffia ist bewusst langsam und folgt einem festen Ablauf: erst der Besuch als Gast, dann – bei beidseitigem Interesse – drei Besuche als Pilger und sechs weitere als Prüfling, insgesamt also neun Besuche vor einer möglichen Aufnahme. In dieser Zeit prüfen beide Seiten in Ruhe, ob die Gemeinschaft wirklich passt.

Das ist keine Schikane, sondern ein vernünftiger Schutz vor Schnellschüssen – für den Verein genauso wie für den Interessenten.

Nächster Schritt

Häufige Fragen

Wie läuft ein Besuch ab?
Man kommt als Gast, hört zu und schaut. Der Abend – die Sippung – hat einen festen, humorvollen Rahmen mit künstlerischen Beiträgen. Ein eigener Auftritt wird nicht erwartet.
Muss man etwas vortragen?
Nein. Beiträge sind willkommen, aber freiwillig. Als Gast darf man einfach zuhören.
Ist Schlaraffia ein Verein, ein Geheimbund oder etwas anderes?
Schlaraffia ist ein eingetragener Freundschaftsbund – kein Geheimbund. Die örtlichen Gemeinschaften sind Vereine, das gemeinsame Spiel gibt ihnen den besonderen Rahmen.
Warum ist die Sprache teilweise ungewöhnlich?
Die eigene Begriffswelt gehört zum spielerischen Charakter. Wichtige Wörter erklären wir im Glossar – man muss sie nicht vorher kennen.
Was ist ein Reych, eine Sippung, ein Einritt?
Ein Reych ist eine örtliche Schlaraffia-Gemeinschaft, eine Sippung ihr Vereinsabend, ein Einritt die Aufnahme eines neuen Mitglieds. Mehr im Glossar.
Können Frauen mitmachen?
Schlaraffia ist ein Männerbund. Was das bedeutet, erklären wir offen auf der Seite „Schlaraffia und Frauen“.
Spielen Politik, Religion oder berufliche Interessen bei Schlaraffia eine Rolle?
Nein – jedenfalls nicht als Zweck oder prägendes Thema des gemeinsamen Abends. Schlaraffia versteht sich bewusst nicht als politischer, religiöser oder geschäftlicher Zusammenschluss. Parteipolitische Debatten, religiös-weltanschauliche Auseinandersetzungen und berufliche Eigeninteressen sollen dort nicht den Ton angeben. Im Mittelpunkt stehen Freundschaft, Humor, Kunst, Wortwitz und Gemeinschaft.
Wie schreibe ich einem Schlaraffenverein, wenn ich einfach nur neugierig bin?
Du musst keine perfekte Nachricht formulieren. Eine kurze, freundliche und ehrliche Anfrage reicht völlig aus. Schreib einfach, dass du auf den Verein aufmerksam geworden bist, Schlaraffia gern einmal kennenlernen würdest und dich über eine Rückmeldung zu einem möglichen Besuch freuen würdest. Mehr muss eine erste Nachricht nicht leisten.
Muss ich mich für einen ersten Besuch schon festlegen?
Nein. Ein erster Besuch dient gerade dazu, Schlaraffia überhaupt erst kennenzulernen. Du musst dich dabei weder zu einer Mitgliedschaft noch zu weiteren Schritten verpflichten. Erst wenn du nach mehreren Eindrücken merkst, dass dich die Gemeinschaft wirklich interessiert, stellt sich die Frage nach dem weiteren Weg.
Was passiert, wenn ich nach dem ersten Besuch merke, dass es doch nichts für mich ist?
Dann ist das völlig in Ordnung. Genau dafür gibt es die unverbindliche Kennenlernphase. Schlaraffia ist keine Pflichtveranstaltung, sondern ein Angebot zur Begegnung. Wenn du nach einem oder mehreren Besuchen merkst, dass Form, Menschen oder Atmosphäre nicht zu dir passen, musst du dich nicht rechtfertigen.
Wie lange dauert die Pilger- oder Kennenlernphase normalerweise?
Die Kennenlernphase folgt grundsätzlich einem festen Ablauf. In der Regel besucht ein Interessent Schlaraffia zunächst dreimal als Pilger. Wenn danach auf beiden Seiten grundsätzliches Interesse besteht, folgen weitere sechs Besuche als Prüfling. Erst danach steht die Frage einer Aufnahme im Raum. Insgesamt geht es also typischerweise um neun Besuche vor einer möglichen Aufnahme. Wichtig ist dabei: Diese Zeit ist keine Formsache, sondern eine echte gegenseitige Kennenlernphase. Der Interessent prüft, ob Schlaraffia, die Menschen und der jeweilige Verein wirklich zu ihm passen – und der Verein prüft umgekehrt, ob die Gemeinschaft menschlich und kulturell stimmig wirkt.